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Fernziel aller Aktionen soll einmal die gesamte Umrundung Deutschlands, soweit wie möglich entlang der grenznahen Regionen, sein. Soweit es irgend geht auf ausgeschilderten und bekannten Routen und Radwegen, allein schon wegen der besseren und schnelleren Orientierung. Für die kommenden Jahre werden also noch weitere Touren wie Nord- und Ostseeküstenradweg folgen. Auch Routen entlang der Grenzen zu den Niederlanden, Belgien und Luxemburg im Westen und entlang der Tschechoslowakei und Österreich im Südosten werden noch unter die Räder zu nehmen sein.

Dieses Jahr aber erst einmal die Bodensee- und Rheintour. Start dieser Tour, wie schon in den vergangenen Jahren, der Bahnhof in Bremen mit einer doch eher langweiligen, ganztägigen Anreise nach Lindau. Auch diesmal wieder, wie so oft, die üblichen Querelen mit der Deutschen Bundesbahn beim Radtransport in einem der IC Züge. In Lindau angekommen, es ist bereits Abend und erfahrungsgemäß machen die Köche in den Wirtschaften sehr pünktlich Feierabend, wird es zunächst hektisch, die einzig gebuchte Pension dieser Tour, etwas außerhalb zu finden. Hier ein leichtes Problem - die bereits per Mail gebuchten Zimmer sind merkwürdigerweise doch nicht reserviert. Es offenbart sich dann aber recht schnell das Organisationstalent der meist recht freundlichen Wirtsleute - es wird kurzerhand ein Kinderzimmer umgeräumt und wir können übernachten. Zur Beruhigung aller Beteiligten gibt es einen leckeren Obstler aus der hauseigenen Brennerei.

Nachdem wir unsere Räder abgestellt und unser Gepäck in das Zimmer gebracht haben, geht es kurzerhand in das nahe gelegene Wirtshaus. Hier gibt es allerdings um diese Zeit keine warme Küche mehr - aber dafür eine leckere kalte Vesperplatte. Dazu live im Biergarten das Viertelfinalspiel Deutschland - Griechenland, wo es zu jedem Tor der Nationalmannschaft einen Obstler gibt und einen obendrauf für das mit 4:2 gewonnene Spiel. Alles in allem ein netter erster Abend im Kreise der Einheimischen die uns dann noch nach dem `Woher`und `Wohin`- `Weshalb`und `Wieso`befragen.

 

Der weitere Verlauf der Tour nun in stichpunktartiger Ausführung um nicht die Kapazität der Homepage zu erschöpfen.

 

Erster Tag: von Lindau-Hohenreute bis Hemmenhofen am Bodensee, insgesamt 105,5 Kilometern. Nettes Frühstück und ein sonniger Tag mit tollen Aussichten auf den Bodensee. Gut ausgeschilderter Radweg – nette, gepflegte Orte jedoch auch insgesamt teure Gegend mit entsprechendem Publikum. Kaum Möglichkeiten unentgeltlich an das Ufer des Sees zu gelangen - es ist meist alles in Privatbesitz oder kostenpflichtig durch Restaurants, Gaststätten, Yachthäfen, Golfclubs oder aber auch durch Bäder und Liegewiesen mit Eintrittsgebühr. Highlights: Friedrichshafen mit Zeppelinmuseum – Immenstaad – Überlingen – Radolfzell und eben Hemmenhofen mit dem Otto-Dix-Haus. Abends günstiges, privates Fremdenzimmer mit direktem Seezugang – daher noch ein abkühlendes Bad im Bodensee. Zum Abschluss des Tages noch ein gutes Essen und einen Rotwein direkt am See im lauschigen Sommergarten.

 

Zweiter Tag: von Hemmenhofen bis Luttingen, insgesamt 95,5 Kilometer. Sonniger Start nach tollem Frühstück mit Blick auf den See. Ab Mittag schwülwarme Temperaturen mit leichtem bis starkem Gegenwind. Highlights des Tages: Stein am Rhein mit toller Altstadt – etliche historischer Orte am Hochrhein – Rheinfall in Schaffhausen. Am Abend konditionell recht platt von der Wärme und den teilweise recht heftigen Anstiegen um Schaffhausen. Kurze Unterkunftssuche und ein leckeres Abendbrot in einer guten Wirtschaft.

 

Dritter Tag: von Luttingen bis Neuenburg, insgesamt 92 Kilometer. In der Nacht einsetzender Regen – auch am Morgen immer noch Regen – Start in kompletter Regenmontur. Regen bis zum Mittag – ab Mittag trocken und zunehmend sonnig. Regenzeug in der Mittagspause in einer Bushaltestelle zum trocknen aufgehängt und wieder eingepackt. Städtische Highlights: Bad Säckingen mit historischer Holzbrücke über den Rhein – Rheinfelden und Basel. Bemerkenswert: Nachmittagsrast auf einer Autobahnraststätte. Negatives Erlebnis: erste Reifenpanne aller bisherigen Touren kurz vor Etappenschluss.

 

Vierter Tag: von Neuenburg bis Neuried, insgesamt 109,5 Kilometer. Gutes Frühstück und sonniger Start – kurz danach jedoch wieder Reifenpanne auf übler Kiesstrecke. Zur Sicherheit Flickzeugkauf im Ort Breisach mit schönem Ortskern - Weiterfahrt mit erneuter Reifenpanne – kurz darauf dritte Reifenpanne in Folge an diesem Vormittag. Mittagspause in Rheinhausen beim Dorfmetzger – kompletter Reifenwechsel (Schlauch und Mantel – alles neu gekauft) in schattiger Umgebung – danach nur noch oede Kilometerfresserei auf schlechten Schotterstrecken. Abends jedoch noch ein guter Ausklang im lauschigen Biergarten mit super Essen und leckerem Wein.

 

Fünfter Tag: von Neuried bis Au am Rhein, insgesamt 104,8 Kilometer. Wieder ein tolles Frühstück und ein sonniger Start in den Tag. Erstes und einziges Highlight: Strassbourg mit sehenswerter Altstadt, Kathedrale und vielen weiteren touristischen Highlights im und um das Stadtzentrum. Kurz hinter Strassbourg wieder eine Reifenpanne – diesmal am Hinterrad – erneut einen neuen Schlauch aufgezogen – alles wieder auf schlechter Kiesstrecke. Unterkunft an diesem Abend über einer alten Dorfmetzgerei – Abendessen jedoch im Biergarten unter jugoslawischer Leitung.

 

Sechster Tag: von Au am Rhein bis Altriep, insgesamt 95,5 Kilometer. Trotz eigener Metzgerei ein recht mageres Frühstück – dennoch ein sonniger Morgen. Erneuter Schlauchkaufversuch im Schlauchomaten – Automat jedoch defekt – Weiterfahrt. Rheinseite in Neuburg am Rhein mit einer Fähre gewechselt. Wir fahren nun linksrheinisch über Wörth am Rhein. Hier zweiter Versuch zum Schlauchkauf – diesmal erfolgreich mit abschliessendem Luftdruckcheck. Kurz danach auf gut geteerter Strecke erneute Reifenpanne – wieder der Hinterreifen – der 6. Platten insgesamt – wieder neuer Reifenkauf – Komplettwechsel Schlauch und Mantel. Städtisches Highlight: Speyer – Innenstadt mit Dom – daneben ein riesiger Brunnen – ideal für eine Abkühlung bei schwül-heissem Wetter. Weger der Hitze recht früher Tagesschluss in einer sehr netten Pension mit gutem Essen bei Regen unter dem Sonnenschirm im Biergarten. Abschluss nach Halbfinalspiel Deutschland – Italien das mit dem Ausscheiden der Nationalmannschaft endete. Erste und letzte Nacht im Einzelzimmer auf dieser Tour.

 

Siebter Tag: von Altriep bis Heidesheim, insgesamt 118,5 Kilometer. Erneut ein sonniger Morgen mit gutem Frühstück in netter, persönlicher Atmosphäre in der Unterkunft. Nach einiger Fahrzeit – Trinkflaschenverlust bermerkt. Insgesamt wieder viele Kilometer mit teilweise übler Wegstrecke und ab Mittag mit einem Unwetter im Nacken. Highlight: Worms mit interessanter Kirche und Innenstadt. Am Abend Übernachtungsmöglichkeit in einer nicht gerade tollen Unterkunft – dafür aber gutes Essen und lecker Wein in einem Lokal mit super Ausblick auf den Rhein.

 

Achter Tag: von Heidesheim bis Koblenz, insgesamt 90 Kilometern. Schlussetappe bei wieder sonnigem Start nach verregneter und schwülwarmer Nacht. Heute mehrmals Wechsel von links- auf rechtsrheinisch und zürück. Highlights: sämtliche mittelrheinische Städte wie Ruedesheim – Bingen – Oberwesel - St. Goar – Boppard usw. Warmer und anstrengender Tag mit Ende der Fahrt am Deutschen Eck in Koblenz. Langer Abend bei Wein und gutem Essen in der Koblenzer Innenstadt mit fast südländischem Flair und netten Leuten.

 

Am darauf folgenden Tag Rückfahrt mit der Bahn – wieder leichtes Chaos bei der Radbeförderung im IC von Koblenz nach Bremen. Durch Unwetter am Vortag im Westen Deutschlands erheblicher Zugausfall – dadurch verstärkte Personen- und Radmitnahme in den verbliebenen Zügen. Erneut lange Bahnfahrt mit Umstiegen in Bremen und Bremerhaven bis nach Bremervörde zurück.

 

Zurück gehend auf die Eingangsfrage: Warum ist es am Rhein so schön? kann man hier nach insgesamt über 800 Kilometern in 8 überwiegend sonnigen Tagen nur sagen, das dieser romantisch verklärte Refrain aus der Zeit der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts so wohl nicht mehr zutreffend ist. Schön war die Tour zwar insgesamt, wohl aber eher durch das gute Zusamenspiel zwischen meinem Radsportfreund und mir und den tollen Erlebnissen mit Land und Leuten. Wie schon auf den vorherigen Touren wieder sehr nette Menschen in den Orten unterwegs kennen gelernt. Wie so oft auch meist sehr freundliche Wirtsleute in den Unterkünften angetroffen.

Diese Regionen am Rhein, diesem Urdeutschen Fluss und den romantischen Verklärungen von Orten und Begebenheiten sind dennoch leider vielerorts, wie in dem Lied besungen, so nicht mehr anzufinden und anzutreffen. Am Hochrhein und am Mittelrhein vielleicht noch am ehesten, mal abgesehen von einigen touristischen Häufungen und Verfehlungen. In den teilweise künstlich angelegten Rheinauen und den begradigten und fast kanalisierten Gebieten zwischen Basel und Mainz wohl eher nicht. Hier ist der Rhein sicher in erster Linie als Verkehrsader für die grossen Industriezentren anzusehen. Auch sicher nicht in und um diese Ballungsräumen mit Industrie und Wirtschaft und den damit verbundenen Belastungen und Kompromissen wie in Mannheim, Karlsruhe, Lüdwigshafen und Mainz. Nicht schön auch hinsichtlich der vielen oeden Flussradwegkilomter auf den Kieswegen dieser Regionen denen die Radreifen ihren Tribut in Form von Durchschlägen und Pannen zollen mussten. Für die der Rhein aber letztendlich nicht herhalten kann. Trotz oder gerade deswegen war es aber auch insgesamt sehr interessant und eben doch auch wieder schön, diese Tour entlang der südwestlichen Grenze in Deutschland direkt am Rhein entlang unternommen zu haben. Landschaft wie auch die Menschen die darin leben sind einem wieder ein Stück näher gekommen – mit all den Positiven wie auch Negativen Eindrücken hier in unserem Land. Empfehlenswert zur Nachahmung allemal.

Bilder hierzu unter Startseite/Fotos

 

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