Ein Bericht von Michael Scholz über seinen Nostalgie-Trip nach Italien.

Klamotten und ein entsprechendes Rad hatte ich mir von meinem Vater besorgt. Das Outfit stammte somit aus den 50er und mein Vater fuhr damit seiner Zeit in Berlin seine Rennen. Anreise dann am Donnerstagmorgen. 16 Stunden nonstop bis Siena in der Toskana. Ne Stunde weiter wäre man in Rom gewesen. Gegend erkundet. Das Wetter war leider relativ kalt und nebelig. Sonntagmorgen dann um 04:00 aufgestanden und dann zum Start. Alle Räder mit ner Funzel am Lenker, ´Einschreibkontrolle
bei Kerzenschein und pünktlich um 05:00 los.

Zum Glück noch ne alte Zeitung unters Wolltrikot gesteckt. Mann war das kalt. Gleich vorn mit eingereiht und die ersten 5 Km auf Strasse bergab. Links sah man im Wald einen mit Lampions beleuchteten Weg den wir hoch mussten: natürlich auf Schotter. Ging ganz gut, anschließend wurde es ganz finster undes ging Bergab. Ist schon erstaunlich das man so fahren kann!

Nach 2 Stunden und andauernden Hoch und Tief wurde es dann langsam hell. Die 1. Kontrolle war nicht mehr weit (Kilometer 48) und da wartete doch schon der Parmaschinken und Chiantiwein. Kam mit meiner Gruppe als Erster dort an und so hatten wir am Buffet freie Auswahl. Gab zwar echt leckere Sachen hab mich aber zurück gehalten; man weiß ja nicht, was da noch kommt. Also weiter mit den Rasern, die dann aber fast alle auf die 205 KM abbogen. Von da an war ich mit einem Italiener allein, der auch kein gutes Englisch sprach. Bei der 2. Kontrolle gab er mir aber mal den Tip den Italienischen Eintopf (Bocca) zu probieren. War ganz hilfreich da der Eintopf durchwämte. 85 Km waren runtergespult jetzt kommen ja nur noch ca. 50Km.

Was da jetzt kam, war echt der Hammer: Ein ständiges Auf und Ab mit Steigungen von 18% auf nassem Schotter oder Lehm. In den Abfahrten hätte ich mir fast in die Wollhose gesch.......... und bergauf fuhr ich vielleicht noch mit 20 Kurbelumdrehungen. Aufstehen ging ja nicht, wegen dem Durchdrehen des Rades, also verdrehten Augen) ging es sofort wieder in die halsbrecherische Abfahrt, worauf der nächste Stich wartete. Zum Glück waren die immer nur so um die 500 bis 800m lang. Mein italienischer Kollege immer bei mir! An den Rampen überholten uns dann 2 Italiener mit den Worten Avanti, Avanti. Antworten konnte ich leider nicht, war aber wohl auch besser so.........

Auf den letzten Kilometern kamen wir wieder auf die Strecke, die wir morgens im dunkeln entgegengesetzt gefahren sind. Alter Schwede waren das schlechte Wege. Oder besser gesagt: Was ein Glück, dass ich das im Dunkeln nicht sehen konnte! Die letzten 5 Kilometer waren wieder auf Strasse und ich rief meinem Begleiter noch "Grande Finale" zu, klemmte den Kopf unter die Arme und eilte dem Ziel entgegen. Kam da dann wohl als 3. an, mit durchweichten Wollklamotten und dreckigem Radund echt dicken Beinen. Zur Belohnung gab es ne Flasche Wein und süßen Mandelkuchen.

Alles in Allem war es ne coole Sache, aber ich glaube ein Mal reicht mir.
Micheal