> Dienstag, 14. Juni 2016:

Der erste Morgen auf der Tour beginnt mit einem kargen Frühstück und griesgrämigen Wirtsleuten - denen ihr in die Jahre gekommenes Hotel sichtlich auf ihr Gemüt geschlagen zu sein scheint. Draussen jedoch Sonnenschein und somit starten wir in guter Stimmung in den neuen Tag. Nach etlichen Kilometern erreichen wir den Ort Hage wo mein Radsportkollege Manfred seine leicht lädierte Sattelstütze austauschen kann. Auf den ersten Kilometern hatte sich irgendwie die Sattelklemmung gelockert und war nun so ausgeschlagen dass sich der Sattel  nicht mehr arretieren liess. Hinter Hage ging es dann in Richtung Dornum und Dornumersiel an die See und auf den Nordseeküstenradweg. Diesen befahren wir nun und gelangen über bekannte Sielorte wie Bensersiel - Neuharlingersiel - Harlesiel - Schillig - Hornumersiel - Hooksiel in Richtung Wilhelmshaven. Auf diesem Streckenabschnitt bemerken wir jetzt zum ersten Mal unseren häufigen Blick nach Links - auf das Wasser bzw. den Deich. Dieser Blickwinkel wird uns nun bis zum Ende der Tour nicht wieder verlassen da sich immer links von uns die Nordsee befindet. Auch ein zweiter Blickwinkel gesellt sich dazu - der Blick nach oben zum Himmel - denn von dort droht immer wieder Veränderung - für uns meist in Form von Wolken - Regen und heftigem Wind - nicht gerade förderlich auf so einer Tour. So auch an diesem Tag - bevor wir Wilhelmshaven erreichen müssen wir in Hooksiel auf einer geschützten Bühne in der Stadt Unterschlupf suchen um uns vor einem heftigen Gewitter zu schützen. Nach dieser Zwangspause erreichen wir am Abend Wilhelmshaven und in unmittelbarer Wassernähe finden wir ein modernes Hotel für die Nacht. In einem türkischen Lokal beim Europameisterschaftspiel findet der Abend seinen Ausklang. Gute 112 Radkilometer stehen für heute auf dem Tacho.

> Mittwoch, 15. Juni 2016:

An diesem Morgen auch wieder ein schöner sonniger hoher Himmel und nach einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg. Dieser endet jedoch schon im Fährhafen von Wilhelmshaven da wir mit der Fähre über den Jadebusen setzen um auf der anderen Seite in Eckwarderhörne unseren Weg fortzusetzen. Die Route um den Jadebusen herum hatten wir schon auf einer unsere letzten Touren ab geradelt und somit verzichteten wir nun darauf. Ab Eckwarderhörne ging es nun erneut am Deich/Wasser entlang in Richtung Nordenham von wo aus wir nach Bremerhaven übersetzten. Die Deichstrecke bis dahin wird nun langsam zum gewohnten Bild für uns und bis auf eine kurze Pause in Burhave mit Kaffee und lecker Fischbrötchen nicht weiter erwähnenswert. Ab Nordenham/Bremerhaven dann erneut das gleiche Bild - zur Linken - Wasser, Deich, Schafe, grüne Wiesen, hier und da ein kleiner Kutterhafen mit Pausen- und Einkehrmöglichkeiten - eine mittlerweile vertraute Welt. Spektakulär nur die Hafendurchquerung in Bremerhaven und das Erreichen Cuxhavens durch ein schönes Waldstück - den Wernerwald. An der legendären Kugelbake vorbei und durch die Grimmershörnbucht geht es in Richtung Steubenhöft - dem Fähranleger für die Fähre nach Brunsbüttel. Unterwegs auch immer wieder die eine oder andere Unterbrechung durch einsetzenden Regen. Auf die Fähre geht es dann im Regenzeug - auch zum Schutz vor dem kühlen Wind der an der Elbmündung weht. In Brunsbüttel angekommen geht es erst mal auf Hotelsuche zu einem Hotel auf der anderen Kanalseite, dass wir schon von unterwegs telefonisch angefragt hatten. Recht spät am Abend erreichen wir das Hotel und nach einem Essen - wiederum auf der gegenüberliegenden Kanalseite - geht es zurück zur Übernachtung. Obwohl wir heute den Tag der Fähren hatten - über den Jadebusen, die Weser und die Elbe - empfinden wir nun das bisher dreimalige Überqueren des Nord-Ostsee-Kanals schon als recht nervig - wie mag es da nur den Einwohnern gehen, die ständig von einem zum anderen Kanalufer wechseln müssen um die Dinge des täglichen Lebens verrichten. Nach gut 100 heutigen Radkilometern geht dieser Tag zu Ende.

> Donnerstag, 16. Juni 2016:

Am heutigen Morgen offenbart sich unser, schon in die Jahre gekommenes Hotel, als wahrer Ort der Kunst, des Kitsches, der Kuriositäten und Antiquitäten. Das Hotel scheint, ähnlich wie das in Marienhafe, ab der 70er Jahre in einem sogenannten „Investitionsstau“ zu stecken. Zudem hat es die Besitzerin ausgestattet mit Antik und Trödel, aus aller Herren Länder zusammengetragen, somit in einen Zustand versetzt der andere moderne Hightech Unterkünfte vor Uniformität absolut öde wirken lässt. Hier wird Individualität großgeschrieben - in jeder Hinsicht -  und auch das Frühstücksbufett lässt so manches teure Hotel „arm“ aussehen. Nachdem wir nun ein viertes Mal über den Kanal gewechselt haben, machen wir uns auf den Weg über St. Michaelisdonn nach Meldorf - einer schönen schnuckeligen Kleinstadt mit Dom und Marktplatz - auf unserem weiteren Weg zur Küste. Wir fahren wieder an die Nordsee und über Deichstrecken gelangen wir nach Büsum. Hier eine kurze Mittagsstärkung bei einem leckeren Fischgericht. Der sonnige aber windige Nachmittag gehört der weiteren Tour entlang der Nordseeküste und über das Eidersperrwerk in Richtung St. Peter Ording. Der Wind weht heute mal aus der richtigen Richtung und somit lässt sich die mittlerweile recht eintönig wirkende Deichstrecke ertragen. Am Abend angekommen in St. Peter Ording gelingt es uns schnell eine private Unterkunft am Wege zu finden. Und nach dem Abendessen beim Italiener wartet schon wieder ein Europameisterschaftsspiel auf uns. Heute haben wir schon wieder 100 Radkilometer mehr auf dem Tacho.

> Freitag, 17. Juni 2016:

Der heutige Morgen erwartet uns mit einem leckeren Frühstück - aber auch mit einem bedeckten Himmel. Wieder einmal geht es auf Deichstrecken und über Wiesen entlang der Küste kreuz und quer in Richtung Husum. Nach Einsatz von Regenjacke und gegen einen kräftigen Wind erreichen wir gegen Mittag Husum - die graue Stadt am Meer - wobei der Hafen - das Centrum mit Fussgängerzone doch Einiges zu bieten haben. Durch recht warme Luft und unter grauem Himmel geht es nach einer Mittagspause von Husum aus in Richtung Bredstedt. Zur „Abwechslung“ mal wieder kreuz und quer und immer irgendwie entlang der vielbefahrenen Bundesstrasse 5 - so hangeln wir uns voran. Den Wind stetig von vorn und den Regenschauer ständig im Nacken erreichen wir gegen Nachmittag Bredstedt - wo wir uns schon am Ortseingang vor dem doch noch einsetzenden heftigen Regenschauer in eine Bushaltestelle flüchten müssen. Es regnet recht lange und kühlt sich nun auch deutlich ab. Unsere erste Überlegung hier vor Ort ein Hotel zu suchen, verwerfen wir wieder und beschliessen noch weiter bis Niebüll zu radeln. Ein Entschluss der es in sich hat. Wieder einmal hin und her durch die karge grüne Landschaft unter weitem windigem Himmel geht es auf den letzten Kilometern nur mühsam voran - der Wind komplett von vorne lässt  uns nun doch langsam ermüden. Endlich in Niebüll angekommen suchen wir nur noch schnell eine Unterkunft - eine warme Dusche und eine warmes Essen. Der Tag geht nach gut 94 heftigen Radkilometern zu Ende.

> Sonnabend, 18. Juni 2016:

Nach dem wirklich tollen und üppigen Frühstück beschließen wir es heute mal etwas lockerer angehen zu lassen. Also erst mal Ruhetag - und somit ein Besuch auf der Insel der Reichen und Schönen - Sylt steht auf dem Programm. Eigentlich sollte auch heute ein Rad Tag werden - mit dem Besuch des Nolde Museums in Seebüll. Doch der bedeckte, wechselhafte Himmel und meine nicht gerade tolle Verfassung lassen uns auf den Sylt-Shuttle umsteigen und einen Inseltag einlegen. Von Niebüll gelangt man recht schnell und günstig per Bahn über den Hindenburg-Damm auf die Sonneninsel. Doch in Westerland angekommen fehlt von Sonne jede Spur. Windig und eher bedeckt zeigt sich dieser Ort.  Wir spazieren entlang der Nordsee und geniessen gegen Mittag eine kleine Stärkung in einem der vielen Lokale vor Ort. Etwas Sonne kommt auf und so beschliessen wir mit dem Inselbus bis hinauf in den Norden der Insel zu fahren. Durch Kampen hindurch geht es nun bis hinauf nach List. Dort angekommen ein erneuter Gang entlang der See - meine gesundheitliche Verfassung wird eher schlechter als besser und auch der Himmel zieht sich wieder zu - so dass wir erneut den Bus besteigen, um nach Westerland zurück zu fahren. Von hier aus geht es direkt mit dem Sylt-Shuttle zurück nach Niebüll. Dieser Tag bleibt also ohne Radkilometer und nach einem kurzen Ausflug durch Niebüll zum Abendessen geht es zurück ins Hotel und für mich sehr früh ins Bett.

> Sonntag, 19. Juni 2016:

Tag der Entscheidung! Wir sitzen beim ausgiebigen Frühstück im Hotel und überlegen, ob und wie wir weiter fahren wollen. Es wären heute noch die letzten Kilometer entlang der dänischen Grenze in Richtung Flensburg zu absolvieren. Flensburg sollte eigentlich der Endpunkt der diesjährigen Tour sein um dann in einem der nächsten Jahre von dort aus entlang der Ostseeküste zu starten. Auch ein Abstecher über Seebüll und ein Besuch des Nolde Museums war noch geplant. Aber mein Gesundheitszustand ist wirklich nicht so gut - Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und leichter Schüttelfrost nerven schon richtig und die allgemeine Antriebslosigkeit lassen selbst diese gut 60-70 Kilometer schon als Zumutung erscheinen. Auch die Aussicht auf die Bilder einer meiner Lieblingsmaler, Emil Nolde, kann mich nicht wirklich motivieren. Der bewölkte Himmel und der kühle kräftige Wind bewirken ein Übriges. Wir einigen uns die Nordseeküstentour hier zu beenden und von Niebüll aus mit dem Zug direkt nach Hamburg und von dort weiter nach Hause zu fahren. So packen wir unsere Fahrradtaschen ein letztes Mal und brechen auf in Richtung Bahnhof. Die Zugfahrt über Hamburg nach Bremervörde verläuft entspannt und der graue Himmel verlässt uns bis nach  Hause nicht mehr - somit wohl doch die richtige Entscheidung. Zu Hause angekommen geht es für mich erst mal an die Hausapotheke und frühzeitig ins Bett um diese nervige Erkrankung auszukurieren.

Ein kurzes Fazit zum Schluss: Mit gerade Mal gut 450 Kilometern war diese Tour eine der Kürzeren unserer Deutschlandumrundung. Ähnlich von der Kilometerleistung war seinerzeit die Bodensee-Königssee Tour, die wir als erste Mehrtages-Tour überhaupt noch mit dem Mountainbike ab geradelt sind. Ähnlich sicher auch von den Wetterbedingungen, wobei der Regen damals in Bayern doch noch etwas häufiger gefallen sein dürfte. Ähnlich aber sicher nicht von der Landschaft und den Eindrücken her, die wir damals wie heute unterwegs „erfahren“ haben. Hier bei uns im Norden ist doch Vieles entlang der Nordsee schon irgendwie bekannt und allzu ähnlich. In Bayern waren damals viele Eindrücke neu und die Landschaft eine komplett andere und auch abwechslungsreichere. Überhaupt haben sich die Landschaften auf allen anderen Fahrten immer wieder verändert - sicherlich auch durch die weitaus längeren Kilometerleistungen auf den einzelnen Touren. Vielleicht mag auch unsere örtliche Nähe zur Küste ein Grund dafür sein, dass einem doch so vieles vertraut und bekannt vorkam. Wir haben sicher so manch schöne Strecke und viele schöne und interessante Orte durchfahren und ebenso nette und interessante Menschen kennengelernt - die Landschaft allerdings war von eher beruhigender Natur - um nicht zu sagen recht eintönig und gleichförmig. Das in Verbindung mit dem stetigen Wind aus der meist verkehrten Richtung und teilweise grauem Himmel aus dem immer wieder Regen drohte, machte diese Tour nicht unbedingt zu einem Highlight unserer bisherigen Fahrradtouren entlang der Grenzen zu Deutschland. Aber dennoch haben wir wieder viel Interessantes erlebt, viele neue und schöne Eindrücke erhalten und wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spass zusammen auf dieser Fahrt. Wir haben ja nun noch die Ostseeküstentour vor uns, um damit die gesamte Umrundung Deutschlands per Fahrrad abzuschliessen. Also auf ein Neues - vielleicht schon im nächsten Jahr . . .