Am nächsten Morgen trafen wir beim Frühstück im Hotel auf einige Gleichgesinnte die auch per Fahrrad und Gepäck in beiden Richtungen den Inn entlang unterwegs waren. Hierbei fielen uns dann auch im hoteleigenen Fahrradkeller die E-Bikes einiger Radler auf. Diese Räder scheinen doch immer mehr eine echte Alternative bei älteren Radlern, die sich auch auf längeren Touren befinden, geworden zu sein. Wir saßen dann schon vor neun Uhr im Sattel unserer rein muskelbetriebenen Tourenräder und fuhren in einen warmen aber leicht wolkigen Morgen. Gute zwei Stunden später setzte dann doch leichter Regen ein. Unser Radweg führte uns gerade aus einem Dorf hinaus auf eine Art Alm mit einem großen Gasthof namens "Ebinger Alm". Direkt über dem eigentlichen Gastraum befand sich ein überdachter Biergarten auf einem Bretterboden. Wir beschlossen spontan anzuhalten und eine kurze Cappuccino Pause einzulegen. Die Räder stellten wir vor dem Gasthaus ab und gingen in das geöffnete, komplett eingerichtete Obergeschoss mit tollem Ausblick über die Wiesen und auf das Dorf und warteten auf die Bedienung. Nach einiger Zeit, etlichen Rufen und auch Nachschauen ließ sich nicht erkennen ob und wie hier überhaupt etwas zu trinken zu bekommen war. Wir warteten nun noch einen Moment ab und gingen schließlich wieder nach unten zum Wirtshaus um dort noch einmal nachzuforschen. Wir kamen erneut an der unteren Eingangstür vorbei und entdeckten dort ein Schild mit der Aufschrift: Donnerstag bis Sonntag geöffnet!!! Dumm nur, dass heute erst Mittwoch war!!! Nachdem wir nun also gut eine halbe Stunde in dem geöffneten aber nicht bewirtschafteten Obergeschoss verbracht hatten war aber nun der Regen schon mal vorbei und so konnten wir zwar ohne Cappuccino aber im Trocknen die Fahrt fortsetzen. Nachdem wir noch zwei "legendäre" Orte im Laufe des Tages durchquert hatten, setzte gegen Nachmittag noch einmal Regen ein. Die Orte Marktl am Inn und Braunau am Inn könnten hinsichtlich ihrer lokalen "Berühmtheiten" kaum unterschiedlicher sein. Aus dem erst genannten Ort entstammt der erste deutsche Papst Benedict - aus dem zweiten Ort eine Person, die in der deutschen Geschichte das bis heute finsterste Kapitel hinterlassen hat. Gegen Abend des zweiten Tages erreichten wir bei wiederum sonnigem und warmen Wetter Aigen am Inn nach gut 122 Kilometern.

Auch der dritte Tag begann recht früh und nach einem leckeren Frühstück im Gasthof saßen wir schon vor neun Uhr im Sattel. Man mag nun sicher denken - 9 Uhr ist doch keine so frühe Zeit - aber in Anbetracht dessen das meist vor 8 Uhr kein Frühstück zu bekommen ist und wir jeden Morgen unser komplettes Gepäck wieder neu zu packen hatten - kleine Inspektion der Räder und letztendlich auschecken und bezahlen des Hotels inbegriffen - so war es für uns schon immer eine recht passable Leistung vor 9 Uhr unterwegs zu sein. Wie auch am vorigen Tage führte uns der Radweg mal mehr, mal weniger nah am Inn entlang, heute jedoch auch durch einige Waldstücke die es mit kleinen knackigen Anstiegen nur so in sich hatten. Die Tourenräder, eines mit 21er Kettenschaltung und eines mit 8fach Nabenschaltung, liefen in der Ebene ja recht gut -  bei den gelegentlichen Anstiegen allerdings ging Aufgrund des hohen Gewichts nur noch die kleinste Übersetzung und so mussten wir schon kräftig in die Pedalen treten. Hier liegt sicher für viele Leute der Vorteil der E-Bikes - die in solchen Situationen mit elektrischer Motorkraft unterstützen können und die solche Touren mit Gepäck doch wesentlich entspannter machen. Ab Neuburg wechselten wir auf einer sehr futuristisch anmutenden Brücke über den Inn auf die österreichische Seite um dann kurz vor Passau erneut zu wechseln und nun auf deutscher Seite weiter zu radeln. In Passau treffen dann der Innradweg und der Donauradweg aufeinander und somit herrschte auch reger Radler betrieb in der Stadt. Die Stadt selbst besticht eben durch die Lage an den zwei Flüssen und ebenso durch eine historische Altstadt und auch mit sehr viel Publikum.  Vor allem auch recht viel Junge Leute aufgrund der Universität und Hochschule. Gerade an diesem sonnigen Tag herrschte reges Treiben in der Stadt, die zudem auch Anziehungspunkt für viele Touristen ist. Nach kurzer Pause suchten wir dann entlang des Donauradweges unsere neue Route Richtung Regensburg. Die Donau fließt hier relativ breit und behäbig dahin und so verlief auch unsere Fahrt entlang der Donau wenig spektakulär durch den sonnigen Nachmittag. Die Wärme und die nunmehr schon zurückgelegten 115 Kilometer ließen uns dann spontan etwas abseits des Radweges in Lohmar eine Pension aufsuchen. Hier richteten wir uns dann bei gutem Essen und leckerem Weizen mental auf das bevorstehende Weltmeisterschaftsspiel Deutschland - USA ein. Ein wenig berauschendes Spiel, das unsere Elf dann aber doch noch mit einem 1:0 beendete. Wir beendeten den Abend recht spät im Biergarten wo man es bei den milden Temperaturen sehr gut aushalten konnte.

An nächsten Morgen saßen wir wiederum - nach einem kurzen Frühstück - schon vor neun Uhr auf dem Rad und fuhren in den warmen sonnigen Morgen. Auch hier führte der Weg mal nah - mal weiter entfernt von der Donau durch das Land. Aufgrund der schon am Morgen recht warmen Temperaturen beschlossen wir auf aufwendige Stadtdurchquerungen wie in Straubing oder Deggendorf möglichst zu verzichten und ließen manchen Ort "links" liegen. Die kleineren Ansiedlungen die wir jedoch passierten wirkten allesamt sehr aufgeräumt und sauber - fast schon steril. Schicke neue Häuser, gepflegte Grundstücke und große Autos überall - jedoch auch fast Menschenleer. Diese Pracht gilt es sicher auch zu finanzieren und somit befindet sich wohl ein Großteil der Anwohner bei der Arbeit und beim Geld verdienen. So erreichten wir gegen Mittag den kleinen Ort Wörth - ein eher gemütlicher Ort - in dem wir erst mal eine Pause einlegten und uns im Schatten etwas regenerierten. Nachdem wir am frühen Nachmittag Regensburg erreicht und durchquert hatten suchten wir den "Einstieg" in den Naabtalradweg und kamen so an einen kleinen Fluss der im Gegensatz zur breiten Donau recht schnell und quirlig dahin floss. Auch die Umgebung und Landschaft änderte sich hier. Der Radweg verlief nun wieder auf Wald- und Schotterwegen - rauf und runter - hin und her und durch ein wesentlich engeres Tal. Ein absoluter Kontrast zu dem bisher befahrenen asphaltierten Donauradweg. Auch die kleineren Orte, die einzeln stehenden Gehöfte - alles nicht so akkurat und gradlinig - alles etwas individueller und unaufgeräumter wie am Vormittag in der Donauregion. In zwei urigen Gasthöfen direkt am Weg und am Fluss gab es dann noch die ein oder andere Stärkung. Alles in allem eine sehr schöne abwechslungsreiche Gegend, die auch in einigen Radwanderführern entsprechend lobend beschrieben wird. Es ging so bis zum Abend durch Felder und Wälder - immer irgendwie am Fluss entlang bis nach Burg Langenfeld, das wir nach 110 Tageskilometern erreichten. Auch hier eine nicht so aufgeräumte Pension mit Restaurant und Biergarten direkt am Fluss, wo wir den Abend und die Nacht verbrachten.

Am fünften Tag starteten wir nach der üblichen Morgenzeremonie wieder recht früh. Wir fuhren in einen sonnigen Tag und auf teils lockeren Pfaden - teils aber auch heftigen Anstiegen links und rechts entlang der Naab in Richtung Naabburg und an die Waldnaab. Nach gut 40 Kilometern eine kurzen Pause in Naabburg bevor wir uns weiter auf den Weg in Richtung Weiden in der Oberpfalz machten. Der Radweg verlief nun wieder mehr vom Fluss abgewandt in das Land hinein und auch die Ausschilderung wurde etwas spärlicher. Kurz vor dem Ort Rothenstadt haben wir dann durch eine schlecht ausgeschilderte Umleitung den Weg verloren und sind nach einigen Kilometern Umweg wieder an Rothenstadt heran gekommen. In der Mittagshitze hier dann eine kurze Pause um danach weiter in Richtung Neustadt an der Waldnaab zu radeln. Wir landeten in einem eigentümlichen Gasthof mit einer witzig gestalteten Speisenkarte - die Appetit auf Essen und Trinken machte. Nach dieser deftigen und auch günstigen Stärkung machten wir uns erneut auf den Weg. Die Nachmittagssonne wurde nun wirklich heftig und auch die eine oder andere Steigung ließ uns ganz schön schwitzen. In Neustadt dann eine erneute Pause um "aufzutanken" bevor die Fahrt in Richtung Tirschenreuth weiterging. Hier verließen wir dann den beschilderten Waldnaabradweg und suchten uns selbst eine alternative  Route über die Land- und Nebenstraßen. Nachdem wir so einige Dörfer entlang der Strecke passiert hatten, wurde es zunehmend schwüler und über uns hingen plötzlich dichte dunkle Gewitterwolken. Wir wechselten daraufhin auf die nahe Bundesstraße und fuhren nun auf direktem Weg nach Tirschenreuth. Es wurde noch ein heftiger, windiger  "Ritt" der nach 18 Kilometern in Tirschenreuth auf dem Marktplatz im Regen endete. Durch die freundliche Mithilfe eines Einheimischen bekamen wir in einer günstigen Pension noch ein Zimmer für die Nacht. Der Regen hatte inzwischen aufgehört aber es blieb weiterhin warm und irgendwie unangenehm feucht. Dieser Tag ging für uns nach insgesamt 112 Kilometern und einem leckeren Essen mit dem einen oder anderen Glas Weißwein beim Griechen zu Ende.

Der sechste Tag fing erneut früh aber bei weitem nicht so "prickelnd" an wie die Tage zuvor. Zum Einen weil wir für das bevorstehende Stück unserer Tour keine genaue Karte hatten und zum Anderen weil über uns ein grauer und bedeckter Himmel hing. Wir fuhren also von Tirschenreuth wieder an der Hauptstraße direkt auf die tschechische Grenze zu und planten danach erst mal weiter in Richtung Marienbad zu fahren. Einheimische hatten uns diese Route empfohlen weil es die schnellste und beste Verbindung ihrer Meinung nach darstellte. Diese Fahrt auf dem vollgepackten Fahrrad an der Straße ohne Radweg entlang, bei teils heftigem Wind und Regen, langen Anstiegen und wenigen kurzen Abfahrten verlangte uns doch schon Einiges ab. Wenigstens der Verkehr hielt sich an diesem Sonntagmorgen in Grenzen, so dass wir uns nicht auch noch mit genervten Autofahrern herumplagen mussten. Wir erreichten die Grenze und versuchten dort in einem der typischen Grenzshops eine genauere Karte zu erstehen - leider Fehlanzeige. Wir fanden ein grobes Straßenhinweisschild direkt am Grenzübergang, das wir mit dem Handy abfotografierten umso unterwegs eine grobe Orientierung zu haben. Wir fuhren erst einmal weiter an der Hauptstraße in Richtung Marienbad. Wir kamen durch verwaiste Orte und in eine andere Welt - die ehemalige Welt des Ostblocks - Grau in Grau und alles irgendwie in einem fragwürdigen Zustand - hier scheint jahrzehntelang niemand wirklich für irgendetwas zuständig gewesen zu sein. Im selten aufgeräumten Zustand erinnert es ein wenig an die Fünfziger - sechziger Jahre meiner Kindheit hier bei uns - aber meist ist der Zustand eher desolat bis ruinös. Wir im Westen jammern auf hohem Niveau - ein oft gehörter Spruch der hier seine Begründung und Glaubwürdigkeit findet. Der graue Himmel und der ständig wieder einsetzende Regen taten sicher noch ein Übriges um diese negativen Gefühle auszulösen. Bei Sonnenschein und blauem Himmel sicher eine entzückendere  Welt - denn die Landschaft ringsum war andererseits recht schön. Kurz vor Marienbad waren wir dann endgültig komplett durchnässt und so gefrustet, das wir uns erst mal in eine Tankstelle flüchteten und uns wärmten und verköstigten. Diese Tankstelle hatte aufgrund ihrer "Großstadtnähe" ein durchaus westliches Angebot und Niveau und wir konnten uns prima auf Englisch mit der Kassiererin unterhalten und waren somit in der Lage die komplett automatisierten Kaffeemaschinen halbwegs zu bedienen. Nachdem wir wieder etwas aufgewärmt waren, fuhren wir in den nassen "Klamotten" weiter nach Marienbad hinein. Hier erneuter Regen und es schien auch keine Besserung in Sicht. Nach einigem Überlegen dann der Entschluss per Bahn Tschechien zu verlassen - auch Aufgrund fehlenden Kartenmaterials das sich nun auch als echtes Hindernis entpuppte. Wir wollten nun zumindest per Bahn bis hinter die Grenze nach Deutschland. Wir suchten den Bahnhof auf und bekamen durch nette Hilfe der Damen am Kartenschalter die gewünschte Bahnfahrt bis hinter die Grenze nach Klingenthal. Von dort aus wollten wir wieder per Fahrrad weiter durch das Erzgebirge bis nach Zwickau radeln. Während der Zugfahrt immer wieder einsetzender Regen und teils auch heftiger Wind. Auf dem letzten Bahnhof auf tschechischer Seite unterhielten wir uns dann mit einer älteren Dame die aus Klingenthal kam - einem Ort im Erzgebirge dicht hinter der Grenze. Sie kannte die Gegend sehr gut und empfahl uns auch in Hinblick auf das üble Wetter weiter mit der Bahn bis Zwickau zu fahren. Die Möglichkeit auf irgendwelchen beschilderten Radwegen von Klingenthal aus an die Zwickauer Mulde zu gelangen hielt sie für nicht machbar - sie kannte selbst keinen passablen Weg der uns ohne Probleme schnell nach Zwickau bringen würde. Wir entschieden uns dann letztendlich auf ihren Rat zu hören und verlängerten unsere Bahnfahrt bis nach Zwickau Hauptbahnhof. Die Fahrt im Zug bestätigte dann unseren Entschluss - es regnete in Strömen und der Wind ließ selbst den Zug hin und her schwanken. In Zwickau angekommen - immer noch leichter Regen und ein grauer Himmel. Einzig der Wind war in der Stadt nicht mehr zu spüren. Wir fanden ein uriges Hotel in Bahnhofsnähe und ließen nach nur 50 Radkilometern den heutigen Tag zwar immer noch leicht frustriert aber dennoch gemütlich ausklingen.

Als wir am nächsten Morgen aus unserem komfortabel renovierten Zimmer den Weg in den Speiseraum antraten, spürten wir das hier im Hotel Merkur der Braunkohlegeruch und die Trabant Zweitaktabgase, im sprichwörtlichen und positiven Sinne, aus jeder Ritze drangen. Ein Hotel mit über 100 Jähriger Geschichte, die sich in den gemeinschaftlich genutzten Räumen sowie im Frühstücksraum und im Empfangsbereich, wiederspiegelten. Auch der individuelle Service des Hausherren - diskret und doch sehr bemüht uns mit Informationen zu versorgen. Ein Haus mit Geschichte und Geschichten - seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz. Die Einrichtung größtenteils noch aus den Gründertagen - edles Holz - poliertes Messing - geschliffenes Glas - verzierte Spiegel - Jugendstildeko. Das Hotel Merkur in Zwickau - eine echte Perle unter den uniformierten Hightech Filialhotels der neueren Zeit. Schade nur - dass wir so ziemlich die einzigen Gäste waren - das Haus hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Von Zwickau aus ging es jetzt entlang der Zwickauer Mulde in Richtung Sermuth. Eine gut ausgeschilderte Strecke - jedoch auch teilweise recht heftig was die Anstiege und Abfahrten anbelangte. Dafür entschädigte das wieder sonnige Wetter und die umgebende Landschaft. Viele kleine Orte entlang des Weges mit dem ehemals "sozialistischen" Charme. Hinter dem Ort Sermuth sind wir dann auf den Radweg entlang der Freiberger Mulde gewechselt. Auch hier eine stark hügelige aber schöne Landschaft. In einigen Orten wie beispielsweise Leisnig schlug der "sozialistische" Charme allerdings schon fast in Depression um - viele verlassene, verfallene Häuser - teilweise sogar ganze Straßenzüge - wenig junge Menschen - wenig Handel und Wandel - keine Arbeit - keine Perspektive - eine fast schon spürbare Resignation bei den Menschen und in den Orten. Erst in Döbeln - einer schon etwas größeren Stadt auf unserem Wege änderte - besserte sich der Eindruck. Hier finden wir nach einem kurzen Regenschauer und nach 116 Kilometern gegen Abend eine günstige Unterkunft in der schönen Altstadt. So genehmigten wir uns nach dem Essen noch das ein oder andere geistige Getränk beim Weltmeisterschaftsspiel Deutschland - Algerien das "unsere Jungs" mit 2:1 für sich entschieden.

Durch die Verlängerung beim Fußballspiel des Vorabends eine relativ kurze Nacht - aber dennoch wieder früh auf den Beinen - oder besser im Sattel. Von Döbeln versuchten wir nun in Richtung Meissen an die Elbe zu gelangen. Da wir für diese Route auch kein optimales Kartenmaterial besaßen, fragten wir beim Frühstück die Pensionswirtin. Hier allerdings gingen ihre Orientierung und die damit verbundene Kilometereinschätzung recht abenteuerliche Wege. Sie konnte uns nur bedingt helfen - trotzdem fuhren wir aber erst einmal in die von ihr angegebene, grobe Richtung. Wir kamen auch gut voran bis wir uns dann doch irgendwann in der "Pampa" komplett verfranzten. Nur durch das zufällige Auftauchen eines "Chausseewärters" im Unimog erhalten wir wieder brauchbare Informationen und eine klare Richtung. Nun geht es nach einer kurzen Kaffeepause im nächsten Ort in einer Landbäckerei - so lecker und so günstig - auf den sonnigen Weg an die Elbe. Nachdem wir noch einige kleine Orte - etliche Anstiege und Abfahrten absolviert hatten, erreichten wir dann auch kurz nach dem Mittag die Elbe und damit den Elberadweg. Wir hielten uns nun in Richtung Meissen und fuhren von dort aus - nach kurzer Mittagspause - weiter entlang der Elbe in Richtung Dresden. Hier wollten wir laut Plan erst einen Tag später ankommen. Aber durch die Bahnfahrt von Marienbad nach Zwickau haben wir doch etliche Kilometer und dementsprechend auch Zeit eingespart. So einigten wir uns darauf über Dresden hinaus entlang der Elbe weiter zu radeln. Die Nachmittagssonne wurde noch recht kräftig und so benötigten wir doch die ein oder andere Pause und entschlossen uns kurz vor Königstein, nach fast 100 Radkilometern, eine Unterkunft zu suchen. Trotz regen Radtourismus fanden wir recht schnell eine Pension mit  sehr netten Wirtsleuten, die uns noch mit vielen Informationen über ihren Ort, ihr Haus und allgemeinen Tipps über die Region versorgten. Im benachbarten Gasthof, den der Sohn unserer Pensionswirte betreibt, ließen wir es uns mit Blick auf die Elbe für den Abend gut gehen.

Am letzten Tag unserer eigentlichen Rad reise - der ja so nicht geplant war - ließen wir uns dann erst mal etwas mehr Zeit beim Start. Nach einem toll zubereiteten und sehr leckeren Frühstück machten wir uns diesmal ohne Gepäck auf den Weg. Wir wollten nun doch noch einmal weiter entlang der Elbe nach Tschechien hinein. Da wir ja nach Dresden zurück mussten, konnten wir unser Gepäck in der Pension lassen und mussten es erst auf dem Rückweg wieder aufpacken. Nach Empfehlung und reichlich Informationen unserer Wirtsleute machten wir uns auf den Weg nach Königstein um kurz hinter Königstein per Fähre auf die andere Elbseite zu gelangen. Von dort aus weiter entlang des Elbsandsteingebirges und über Bad Schandau an die tschechische Grenze. Im ersten Ort auf tschechischer Seite ein volksfestähnliches Treiben. Hier wurde von vietnamesischen Geschäftsleuten so ziemlich alles angeboten, was sich an angesagten Produkten nur irgendwie fälschen lässt. Das ganze natürlich zu absoluten Dumpingpreisen und die waren auch noch verhandelbar. Hinzu kam auch noch das im Ort selbst jede Menge Cafés, Bars und Restaurants geöffnet hatten und auch hier zu günstigen Preisen Speisen und Getränke zu bekommen waren. Wir gönnten uns einen Cappuccino und fuhren noch etwas in dem Ort herum. Hier bemerkten wir einen weiteren Grund warum der Ort doch so stark frequentiert war. Die Landschaft ringsherum war großartig und viele Menschen machten von hier aus Touren in die Umgebung. Es war auch an diesem Tag wieder recht sonnig und warm und wir hatten noch die Rückfahrt nach Dresden auf dem Programm. Somit fuhren wir von hier aus wieder zurück zur Pension, ließen uns noch ein verspätetes Mittagessen im familieneigenen Gasthof schmecken, holten unser Gepäck, verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg. In Dresden angekommen hatten wir ein Appartement direkt in der Altstadt an der Frauenkirche - eine Empfehlung von Radlern unterwegs. Hier übernachteten wir an diesem Abend nach weiteren 90 Tageskilometern. Zuvor allerdings hatten wir uns noch auf einen kurzen Stadtbummel begeben und genossen das sommerliche fast schon mediterrane Flair entlang der Elbe und in der Stadt.

Der zehnte Tag unserer Reise war nun der Rückfahrt von Dresden nach Bremervörde vorbehalten. Da unser Zug aus Dresden erst um 11 Uhr abfuhr konnten wir den Morgen entspannt angehen lassen. Wir frühstückten in einem Lokal direkt an der Frauenkirche - auch eine Empfehlung anderer Radler von unterwegs. Abschließend noch eine kurze Rad fahrt durch die Stadt bis hin zum Bahnhof um uns danach auf die Bahnfahrt nach Hause zu begeben. Auf dieser Rückfahrt mussten wir doch mehrmals umsteigen und gegen Ende wurden die Züge immer langsamer und beschwerlicher - oder kam es uns nur so vor? Am Abend gegen 19 Uhr erreichten wir dann doch Bremervörde und die wenigen Radkilometer dieses Tages lohnen nicht hier vermerkt zu werden.

Rückblickend ist zu sagen dass unsere Entscheidung aus dem Jahr 2013 - die Tour auf 2014 zu verschieben - eindeutig die Richtige war. Wir haben in diesem Jahr auf der Tour 850 Kilometer zurückgelegt und das obwohl wir sogar einen halben Tag mit der Bahn abgefahren haben. Es waren teilweise recht harte Kilometer darunter - zum Einen wegen der sonnigen warmen Tage - zum Anderen wegen der doch recht heftigen kurzen Anstiege selbst an einigen "Flussradwegkilometern" - von denen man annehmen sollte das sie in der Ebene verlaufen. Auch in Anbetracht der Tatsache das wir in diesem Jahr bis auf wenige kleine Ausnahmen die Radwege komplett unbeschädigt oder wieder instand gesetzt vorfanden - mag ich mir nicht ausdenken, was wir an Mehrkilometern im vergangenen Jahr hätten abradeln müssen, bedingt durch Überflutung, Sperrung und damit verbundenen Umleitungen. So gesehen war unser eigentliches Hindernis in diesem Jahr lediglich unser fehlendes Kartenmaterial - besonders in Tschechien. Trotz einer Autokarte meiner Kollegin kamen wir dort nicht wirklich gut zurecht. Radkarten haben doch eine ganz andere Dimension - in jeder Hinsicht. Die Flussradwege oder auch die Radwanderwege waren meist vorbildlich beschildert und somit braucht man auch nicht zwingend eine Karte - nur wenn man sich davon entfernt oder Querverbindungen fahren will und muss - dann ist ordentliches Kartenmaterial von Vorteil. Leider hatten wir davon diesmal eindeutig zu wenig bis gar keins.

Die Regionen in denen wir dieses Mal im Südosten der Republik unterwegs waren, konnten teilweise unterschiedlicher nicht sein. Sowohl von der Flusslandschaft her, an der wir uns ja immer irgendwie entlang "hangelten", als auch von den Bewohnern die wir trafen und auch den Ortschaften die wir durchfuhren. Angefangen am Inn mit den aufgeräumten, schmucken alten Städten, mit der wechselhaften hügeligen Landschaft und dem irgendwie immer leicht grünen Inn, der uns in seinem steinigen Bett begleitete.

Danach der Wechsel an die Donau - mit den größeren, touristischeren Städten - mit dem Mehrverkehr an Radlern in beiden Richtungen - mit den breiten, asphaltierten Wegen - den fast menschenleeren, Wohlstand ausstrahlenden Orten - große Felder und alles irgendwie eine Spur zu breit und zu behäbig - sowohl der Fluss als auch das Umland. Hinter Regensburg die Naab und Waldnaab -  lebendig und urwüchsig die Flüsse - ein Auf und Ab - ein Hin und Her durch Feld und Wald die Landschaft - unaufgeräumt und voller Charme die Orte und Gehöfte - Eigensinnig scheinbar die Menschen in dieser Region - vielleicht uns Norddeutschen sogar auf irgend eine Art verwandt.

Der Abstecher nach Tschechien war eher zu kurz und von derart schlechtem Wetter begleitet, das hier eine Aussage nicht annähernd objektiv sein kann. Nur so viel - die hügelige abwechslungsreiche Landschaft mit Feldern und Wäldern hat schon einen gewissen Reiz vermittelt. Auch der Ort Marienbad besticht auf irgendeine undefinierbare Art durch seinen morbiden Charme. Im Gegensatz dazu die Morbidität auf deutscher Seite in einigen Orten entlang der Zwickauer- und auch der Freiberger Mulde. Die Flüsse und die umgebende Landschaft haben ihre eigene Ausstrahlung - auch waren hier die heftigsten Anstiege zu verzeichnen - aber dennoch eine schöne Umgebung für eine ausgedehnte Radtour in unserem Stil. In einigen Städten hingegen eine echte Trostlosigkeit bis hin zur spürbaren Resignation, auch in den Gesichtern einiger Menschen die wir vor Ort gesehen haben. Diese Orte scheinen sich - ähnlich wie in manchen Gegenden an der Oder - nicht mehr in "blühende Landschaften" verwandeln zu lassen - oder es ist auch irgendwie nicht mehr gewollt.

Zum Abschluss die mächtige Elbe mit ihren großen historischen Städten wie Meissen und Dresden - mit dem sich hinschlängelnden breiten Fluss - entlang des Elbsandsteingebirges bis hinauf nach Tschechien. Eine schöne Flusslandschaft die viele Touristen und Radtourenfahrer anlockt. Viele unterschiedliche Facetten und Eindrücke auch diesmal wieder auf unserer Tour entlang der grenznahen Regionen im Südosten Deutschlands. Eine anstrengende und lange Tour, aber dennoch wieder einmal schön und lohnenswert auf ihre ganz eigene Art - irgendwie anders im Detail und auch irgendwie anders als in den Jahren zuvor. Aber gerade das macht ja immer wieder  den Reiz solcher Touren aus.