Der erste Anreisetag führte uns wieder einmal von Bremen Hauptbahnhof aus nach Koblenz. Mittlerweile haben wir ja etwas Routine bei der Radmitnahme im Zug und es klappte alles recht gut - Vorteil war sicher auch, das wir nicht umsteigen mussten und somit recht zügig in Koblenz eintrafen. Da wir noch den ganzen Nachmittag Zeit hatten sind wir ans Deutsche Eck geradelt, unserem letztjährigen Endpunkt und haben uns von dort linksrheinisch auf den Weg gemacht. An diesem schwül warmen Nachmittag sind wir dann noch gute 50 Kilometer bis Remagen geradelt wo wir uns am Abend im Ort nach einer Übernachtung umgeschaut haben. Remagen selbst erinnert mit seinem späten 80er Jahre Charme an längst vergangene Tage in denen hier im Ort noch reichlich Tourismus herrschte. Vor allem der vielen Gäste wegen, die das unsägliche und unsinnige Erlebnis der umkämpfte Brücke von Remagen im 2. Weltkrieg hier unter Augenschein nehmen wollten. Diese Zeiten scheinen nun doch vergangen und der Ort mitsamt seinen Brückenfragmenten ist nichts mehr als pure Erinnerung. Auch das Schloss, das sich einst Thomas Gottschalk zulegte, um in dieser schönen Gegend zu wohnen ist verlassen und  wartet auf sein weiteres Schicksal. Wir fanden Unterkunft in einer Pension bei einer netten Wirtin die schon seit 52 Jahren ihr Gewerbe betreibt und sicher mit ihrer Pension schon lohnenswertere Zeiten erlebt hat. Am Abend gab es noch Wein am Ufer des Rheins und mit einbrechender Dunkelheit erleuchteten die Rheinufer doch noch mit einer gewissen Romantik.

Der zweite Tag ging von Remagen über Köln nach Düsseldorf. Die ersten Kilometer von insgesamt über 100 an diesem Tage führten uns bei warmem Wetter entlang des Rheins durch schöne Gegenden - Bad Godesberg - Bonn - langsam an Köln heran. Hier dann zunehmendes "Großstadtgewusel" und schwerer werdende Orientierung - gut das wir uns immer irgendwie am Rhein entlang halten konnten. Im Kölner Stadthafengebiet dann dieses sanierte, urbane City-Ambiente das den Jungen und Schönen, vor allem aber den Besserverdienenden vorbehalten ist. Das Ganze so "Megatrendy" das man es in fast jeder europäischen Großstadt, die etwas auf sich hält und über Fluß, Hafen oder Wasser verfügt, anzufinden ist. So später auch in Düsseldorf, Dortmund, Münster und bei uns hier oben im Norden als Vorzeigeprojekt die Hamburger Hafencity. Alles insgesamt in einem ähnlichen, austauschbaren Look - architektonisch teilweise interessant - schwer zu bezahlen und alles irgendwie eine Spur zu "tot". Nach einem obligatorischen Besuch der Kölner Domplatte und dem Dom weiterfahrt in Richtung Düsseldorf. Hinter Köln das typisch industriell geprägte Gelände mit entsprechend unwirtlichem Aussehen und schwerer Orientierung - kaum Radwege - viel LKW-Verkehr und wenig Ausschilderung für Radfahrer. Irgendwie schafft man es aber immer  wieder nach zeitintensivem Einsatz aus diesem Gewirr heraus zu finden und dann endlich in grüner werdendes Umland zu gelangen. Die Sonne hatte sich inzwischen verabschiedet und leichter Regen kam auf. Als wir dann ähnlich wie zuvor in Köln das Düsseldorfer Centrum erreichten, waren wir schon komplett in Regenmontur und hatten nur noch ein Ziel eine freie Unterkunft zu finden. Dies gelang uns zum Abend auch und wir übernachteten direkt am Rhein in einem Hotel mit angrenzendem chinesischem Restaurant, so das wir an diesem weiteren Abend trocken blieben und nur noch kurze Wege zu Fuss hatten.

Am dritten Tag starteten wir bei kühlem, trockenem Wetter und fuhren zunächst Richtung Duisburg. Duisburg und sein Umfeld entspricht in vielen Belangen doch noch irgendwie jedem Klischee des Ruhrgebiets - hier und da kleine Bereiche die sicher davon auszunehmen sind. Für uns als Radfahrer jedoch aus verkehrstechnischer Sicht ein Chaos und die Orientierung selbst am Rhein entlang wurde doch recht chaotisch. Selbst nachdem wir mehrfach Leute befragt hatten fuhren wir teilweise planlos durch Duisburg und seine Randgebiete und da es ab Mittag doch recht sonnig und warm wurde waren wir froh irgendwann aus dieser Stadt wieder heraus zu sein. Sicher ein Einzelschicksal - für mich jedoch prägend in negativer Hinsicht auf dieser Tour.  Weit hinter Duisburg und seiner Industrielandschaft wurde es wieder grüner und man erkannte den Rhein als wirklichen Fluss wieder. Ab Wesel Verliesen wir den Rhein und befuhren nun den Römer-Lippe-Radweg zur besseren Orientierung bis Haltern am See. Die Landschaft wurde nun auch angenehmer für  das Auge und mit der Nachmittagssonne im Rücken ein echter Kontrast zu der Industrielandschaft des Vormittages. In Haltern am See hatten wir geplant zu übernachten, diese Idee wurde jedoch durch ein Stadtfest zunichte gemacht - keine freie Unterkunft mehr. Ein netter Hotelportier verhalf uns dann zu einer Adresse im benachbarten Sythen und wir machten uns erneut auf den Weg. In der letzten Abendsonne fuhren wir bis in den kleinen Ort und bekamen dort eine Übernachtungsmöglichkeit im Hotel mit guter Küche und leckerem Bier vom Fass - nach gut 150 Tageskilometern.

Am nächsten Morgen Start in einen zunächst wolkigen Tag. Wir fuhren am Dortmund-Ems-Kanal weiter in Richtung Senden - Münster. Eine reizvolle Strecke mit schönen und interessanten Orten wie eben Senden und eine gute Beschilderung ließen uns schnell voran kommen - einzig der Wind der gegen Mittag immer heftiger wurde bremste ein wenig. Als wir in Münster eintrafen hatten wir schon auf unsere Regenmontur zurückgegriffen und es begann mit zunehmendem Wind und Regen immer unangenehmer zu werden. In Münster entschlossen wir uns zur Pause im sanierten Hafenviertel, wo wir gut geschützt neben Galerien und anderen alternativen Firmen in einem szenetypischen Lokal leckere Pasta verzehrten. Anschließend ging es noch auf eine kurze Exkursion durch die so fahrradfreundliche Stadt Münster. Ein echtes Highlight auf dieser Tour und somit wirklich besuchenswert die gesamte, teils historische, Innenstadt mit ihren unzähligen Lokalen, Geschäften, alter Bausubstanz, studentischen Bewohnern und einem wirklich schönen Flair insgesamt. Am Nachmittag dann der komplette Wetterwechsel hin zu sonnig warmem Sommerwetter in dem wir durch das Münsterland radelten. Auch hier immer wieder interessante kleine Orte und eine schöne Landschaft. Inmitten dieser Landschaft entdeckten wir ein historisches Sachsengehöft das durch einen Verein nachgebaut und teilweise bewirtschaftet wurde. Die Leute dort waren trotz ihrer Arbeit bereit uns Auskunft auf unsere Fragen zu geben und empfahlen uns abschliessend noch im benachbarten Hembergen einen gemütlichen Gasthof zur Übernachtung. Nach gut 100 Kilometern kehrten wir dort auch ein und genossen die Abendsonne im Biergarten in diesem idyllischen Ort.

Den nun folgenden fünften Tag könnte man fast als Ruhetag bezeichnen. Wir fuhren zwar wieder gut 100 Kilometer aber das ausgeglichene Wetter und die Umgebung waren so angenehm, das wir es nicht als Anstrengung empfanden. Die Fahrt durch Städte wie Rheine, Lingen und etliche andere Orte und die angesagten Pausen mit Cappuccino, Currywurst und Schwarzwälder-Kirsch-Torte ließen diesen Tag als "Genußtour" durchgehen. Auch auf dieser Etappe haben wir wieder nette Leute getroffen, uns etliche Sehenswürdigkeiten angeschaut und sind dennoch zügig an der Ems - auch dank guter Ausschilderung - vorangekommen. Im Gegensatz zu manch anderen Tourberichten von anderen Radtouristen (Herr Dr. Volland lässt grüsen)  muss man hier dennoch feststellen, das enorme Zeit mit Orientierung, Orts- und Stadtdurchquerungen, suche nach Unterkünften und Verpflegung und eventuellen Pannen, vergeht. So das es uns in diesem Zusammenhang manchmal unverständlich vorkommt weit mehr als 100 - 150 Kilometer am Tag mit einem noch vollgepackten Rad voranzukommen. Und das obwohl wir als "Radsportler" schon über eine gute Grundkondition verfügen. Wie dem auch sei - am Abend in Meppen angekommen waren wir froh noch ein Hotel und eine leckere Mahlzeit beim "Griechen" zu bekommen und uns dann "auf's Ohr zu legen".

Am sechsten Tag wieder eine gute Tagesleistung von mehr als 100 Kilometern. Das Ganze dann unter leicht bewölktem Himmel der am Abend doch noch einige Tropfen Regen bereit hielt. Die Strecke und Orientierung waren wieder recht gut und ansprechend. Die durchfahrenen Städte wie Haaren/Ems und Papenburg für eine Erkundung und entsprechende Pausen allemal gut. Auch in vielen anderen kleineren Orten unterwegs auf der gesamten Tour gab es immer wieder Neues zu entdecken und immer wieder freundliche Menschen mit denen man spontan das Ein oder Andere Wort wechseln kann um Informationen zu erhalten oder einfach nur in Kontakt zu treten. Kurz vor unserem heutigen Etappenende in Leer dann noch eine längere, recht öde Deichstrecke auf der wir starken Gegenwind und einsetzenden Nieselregen hatten. In Leer angekommen hörte dieser Regen auf und wir konnten uns nach einigem Hin und Her in der Innenstadt auf eine Unterkunft einigen. Die Unterkünfte dieser Tour waren wieder einmal recht unterschiedlich was Preis und Leistung anbetraf - hier jedoch der eindeutig höchste Preis bei schlechtester Leistung. Aber egal - wir hatten eine Unterkunft und nach einem Stadtspaziergang mit abschliessend gutem Essen und Wein war auch diese Nacht zu überstehen.

Der anschliessende siebte Tag brachte dann den Hitzerekord der gesamten Tour. Bei Temperaturen über der 30 Grad Marke fuhren wir kreuz und quer durch teilweise recht schattenlose Gegenden Ostfrieslands. Insgesamt absolvierten wir so mehr als 110 Kilometer mit unzähligen "Zwangspausen" zur Orientierung und zum Auffüllen der Trinkflaschen. Nach einem sonnigen Start am Morgen in Leer fuhren wir wieder entlang des Deiches in Richtung Ditzum. In diesem kleinen idyllischen Ort nahmen wir die Fähre über die Ems und erreichten auf der anderen Seite Emden. Hier eine kurze Cappuccinopause in der Innenstadt und obligatorischen Fischbrötchen am Hafen. Unsere Emsorientierung fand hier nun eine Ende und so nutzten wir die Pausen auch um auf unseren Karten irgendwie einen Weg zu finden der uns durch Ostfriesland bringt. Da auch unsere Zeit zu Ende ging und für die nächsten Tage mit hohen Temperaturen zu rechnen war, beschlossen wir uns von Enden quer durch Ostfriesland in Richtung Heimat auf den Weg zu machen. Wir hatten somit eine grobe Route ausgeguckt und fuhren in den sonnigen warmen Nachmittag. Aber wie so oft sah der gewählte Weg in der Realität anders aus als auf der Karte - in diesem Fall auch bedingt durch schattenlose Wege und die drückende Wärme. Wir mussten etliche Male unterwegs anhalten und nach dem Weg, aber auch nach Wasser für unsere Trinkflaschen fragen. Aber auch hier waren, wie so oft unterwegs, immer wieder Leute bereit uns zu helfen und uns mit Informationen und dem so wichtigen Wasser zu versorgen. Zu guter Letzt mussten wir dann noch eine erneute Kilometeraufstockung hinnehmen, da in dem angepeilten Zielort Zetel keine Unterkunft zu finden war. Also ging es weiter in den Nachbarort, der nach Auskunft eines Einheimischen ein Hotel aufzuweisen hatte. Dumm nur, das hier durch eine Busgesellschaft alles belegt war - also noch einmal weiter nach Bockhorn, wo uns der Wirt des belegten Hotels schon ein Zimmer arrangiert hatte. Hier angekommen ging es nur noch nach einer kalten Dusche zum "Essenfassen" in einen griechisch geführten "Biergarten".

Der letzte Tag verlief ähnlich warm und sonnig wie der vorherige - teilweise mit etwas Regen und zum Abend hin recht schwül - immer so um die 30 Grad. Die Fahrleistung war auch hier wieder knapp 100 Kilometer um von Bockhorn über Nordenham - dann mit der Fähre über die Weser - und dann letztendlich von Bremerhaven nach Bremervörde zu gelangen. Wir fuhren wieder auf selbst ausgesuchten Radwegen zunächst in Richtung Varel. In dem kleinen verträumten Hafen von Varel machten wir eine kurze Pause um dann von dort am Deich entlang, um den Jadebusen herum, in grobe Richtung Nordenham weiter zu fahren. Zwischendurch dann doch noch wetterbedingt die ein oder andere  Trink- und Essenspause bis wir am Nachmittag Nordenham erreichten. Ab hier waren wir nun Orts- und Wegekundig und so erreichte wir die Weserfähre, die uns auf einer kühlenden Überfahrt nach Bremerhaven brachte. Die letzten 45 Kilometer von hier aus zählten nun nicht mehr wirklich und so kamen wir nach einigen weiteren Stunden am Abend in Bremervörde an.

Abschliessend zu dieser 8-tägigen Tour, mit mehr als 800 Kilometern, ist wieder einmal festzustellen, das es in erster Linie sehr viel Spass gemacht hat, gemeinsam mit meinem Radsportkollegen Manfred, diese Grenzregionen unter die Räder zu nehmen. Alles in Allem sicher auch wieder recht anstrengend durch die warme Witterung und durch täglich mehr als 100 Kilometern mit vollgepackten Rädern.  Über diese kurze Beschreibung hinaus wäre sicher noch so Vieles mehr zu schreiben und aufzulisten wert gewesen, aber das würde hier einfach den Rahmen dieser Homepage sprengen. Wir haben auch Etliches mehr unternommen und angesehen als es hier zu lesen steht. Hinzu die vielen Begegnungen mit den Menschen vor Ort und den vielen Eindrücken aus der Landschaft, den Städten und Dörfern, der Natur und der Umgebung, also durch Raum und Zeit durch die wir uns bewegten. Vieles kann auch einfach nicht so in Worten und Bildern wieder gegeben werden wie man es "erfahren" hat. Wieder einmal sind so viele unterschiedliche Eindrücke entstanden, durch die Region am Mittelrhein, durch die großstädtisch und industriell geprägten Gegenden entlang des Rheins im Ruhrgebiet und dann auch wieder durch landschaftlich schöne Gegenden im Münsterland und entlang der Ems und letztendlich auch die weiten und einsameren Gegenden Ostfrieslands. Sicher alles subjektive Eindrücke des Schreibers, die hier als erstes greifen, doch bei aller Subjektivität stecken hinter alledem immer wieder sehr schöne Erfahrungen der gesamten Regionen entlang der Grenzen Deutschlands und der entsprechenden Vielfältigkeit von Land und Leuten. Man kann eben gar nicht genug davon erfahren, erleben und berichten. In diesem Sinne gibt es, egal wo und wie weit man fährt, immer lohnenswert Neues zu entdecken. So war es auch auf dieser Tour.