Als eben jener Rudi Kirchhoff im Jahre 1947 bei einem Rundstreckenrennen an der Samariterstraße, direkt da, wo Wolfgang am Zentralviehhof aufwuchs, vor Tausenden Zuschauern den Nachkriegsrivalen das Hinterrad zeigte, war auch der damals 13-jährige nicht mehr zu halten. Er schloß sich der SG Semper an, wo auch Kirchhoff und der legendäre Erich Schulz zu Hause waren. Nach erfolgreichen Jahren folgten Motor Friedrichshain West – unter den Fittichen von Exprofi „Ete“ Zawadski – und letztlich als Verein die TSG Oberschöneweide. Vom Blumenboten für Otto Ziege bis zum engagierten Helfer bei den Berliner Sechstagerennen mit den Berühmtheiten dieses Metiers war „Nalle“ immer am Ball.

Wolfgang wie wir ihn kennenNach dem Bau der Mauer verwirklichte Wolfgang Kohn andere Träume. Der gelernte Autoschlosser – Lehrkollege war Achim Bohr! – konnte nach etlichen Gesellenjahren selbst eine Autopflege-Werkstatt im Prenzl`berg eröffnen, die regen Zuspruch hatte. Nicht zuletzt – oder vor allem! – weil Wolfgang Kohn ein stets freundlicher und umgänglicher, korrekter Charakter war, der offen und hilfsbereit auf andere zuging. Oft mit einem lustigen Pfeifen auf den Lippen, was auf eine gewisse Musikalität hindeutete, die aber weitaus größer war, als man sie bei einem Radsportler vermutete. Wolfgang war ein Opernkenner und Freund der klassischen Musik und des Tanzes! In seiner umgänglichen Art gab er auch im Kreise der Freunde oft den Ton an. Mit seiner Frau Margot – mit der er nun im Himmel wieder vereint ist - begründete er in den siebziger Jahren die Treffen der Radsportfreunde, denen er die Treue als Organisator bis in die Gegenwart hielt. Sowohl im großen als auch im kleinen Kreis, das heißt von Bollmannsruh bis zum Renner-Singletreff in seiner Wohnung, alljährlich unmittelbar nach dem Treff der Alten in Leipzig, wurde ein Symbol für die Gemeinschaft gesetzt. Als wertvolles Bindeglied hat Wolfgang für den Radsport viel getan, für die Freunde unterschiedlicher Generationen und Vereine, für den Nachwuchs in Templin, wo er mit anderen persönliche Patenschaften einging. So konnte er sich besonders freuen, wie sich das Talent Cindy Hoffmann entwickelte, das inzwischen ein liebevolles Heim und die Aufnahme in das Cottbuser Sportgymnasium gefunden hat. „Nalle“ teilte Sorgen, Freude und Gedanken, gab großzügig das letzte Hemd. Und er sorgte dafür, dass die Karten für das Sechstagerennen unter die Leute kamen.

Nach Jahren mit vielen gemeinsamen Touren auf Mallorca und den alltäglichen traditionellen Trainingsfahrten bewahrte sich Wolfgang Kohn die Freunde am Radfahren und an schönen Rennmaschinen, das versteht sich beinahe von selbst. Auch wenn ihm zuletzt gesundheitliche Einschränkungen Rätsel aufgaben, er war optimistisch, obwohl er in diesem Jahr einige Begegnungen nicht wahrnehmen konnte. Wenn es irgendwie ging, schnappte er sich wenigstens das Auto und fand sich am Treffpunkt ein. Denn das war sein Leben. Nach seinem letzten „Tschüss“ wird er uns fehlen!

W.R.